Mitteilungen aus der Führungsakademie

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Tunesischer Führungslehrgang in der Führungsakademie

 

 

Tunesischer Führungslehrgang in der Führungsakademie

Delegation aus Tunis beschäftigt sich mit Transparenz und Bürgerbeteiligung bei öffentlichen Projekten

 

Im April war erneut die „Deutsch-tunesische Akademie für gute Regierungsführung“ zu Gast an der Führungsakademie Baden-Württemberg. Rund dreißig Teilnehmende aus tunesischer Verwaltung, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen arbeiteten gemeinsam an Projekten und informierten sich über Politik und Verwaltung auf Baden-Württembergischer und Europäischer Ebene.

Der Lehrgang für tunesische Führungskräfte aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziertes Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) und ist an der École Nationale d’Administration (ENA) in Tunis angesiedelt. Bereits seit 2015 besteht eine regelmäßige Partnerschaft mit der Führungsakademie Baden-Württemberg.

Bei einer Exkursion nach Straßburg stand neben einem Empfang im Rathaus der Stadt und einer Begegnung mit dem tunesischen Generalkonsul Mohamed Trabelsi ein Gespräch mit Rainer Wieland, Vizepräsident des europäischen Parlaments auf dem Programm. Die Teilnehmenden interessierten sich für die Region Straßburg als Modellregion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den europäischen Aussöhnungsprozess nach den Weltkriegen. Kritisch sahen die Teilnehmenden, die sich für eine Stärkung rechtsstaatlicher Strukturen in ihrem Land engagieren, dass das Europäische Parlament Tunesien weiterhin als Land einstuft, das Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung begünstigt.

In Stuttgart wurden die Gäste im Landtag von Berthold Frieß, Direktor beim Landtag von Baden-Württemberg, willkommen geheißen. Sie erhielten dort einen Einblick in die Arbeit der Abgeordneten und die Funktionsweise des deutschen Föderalismus. Patrick Kafka, Referent für Bürgerbeteiligung im Verkehrsministerium von Baden-Württemberg, stellte Beispiele für die Zusammenarbeit verschiedener Verwaltungsebenen und die Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern bei Infrastrukturprojekten vor. Die Teilnehmenden zeigten sich sehr interessiert, da Tunesien die Dezentralisierung der Verwaltung anstrebt und am 6. Mai dieses Jahres die ersten Kommunalwahlen seit der Unabhängigkeit plant.

Im Stuttgarter Staatsministerium informierten sich die Teilnehmenden über die konkrete Umsetzung der Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg. Timo Peters von der Stabsstelle der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler stellte das Beteiligungsportal Baden-Württemberg vor, das in diesen Tagen seinen fünften Geburtstag feierte. Dort können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über Beteiligungsmöglichkeiten informieren und Stellung zu konkreten Projekten nehmen. Die Erfahrungen möchten die Teilnehmenden nutzen, um ein Beteiligungs-Portal an Gesetzesvorhaben in Tunesien aufzubauen.

Neben Beiträgen zu Bürgerbeteiligung und Führung in agilen Organisationen lernten die Teilnehmenden an der Führungsakademie verschiedene partizipative Methoden im Rahmen des Projektmanagements kennen und entwickelten damit ihre eigenen Projektvorhaben weiter. Nach Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche politische und wirtschaftliche Entwicklung in Tunesien gefragt, nannten die Teilnehmenden Transparenz und Verlässlichkeit als wesentliche Punkte. „Mich beeindruckt die Dialogbereitschaft und das Engagement der Menschen aus ganz unterschiedlichen Institutionen und Initiativen, die sich in der Akademie für gute Regierungsführung zusammen für die Zukunft Tunesiens einsetzen“, schilderte Martin Schwarz, Referent an der Führungsakademie, seine Eindrücke von der Studienreise.

Im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) erhielten die Gäste zahlreiche Impulse durch die Ausstellung Open Codes, die sich mit Aspekten der Digitalisierung beschäftigt. Sie nutzten die anregend gestalteten, öffentlichen Work-Spaces der Ausstellung, um mit kreativen Methoden Visionen für eine künftige Führungs- und Organisationskultur zu entwickeln.

Ralph Bürk, Präsident der Führungsakademie, warb bei seiner Begrüßung für die stärkere Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in politischen Entscheidungsprozessen. Die Erfahrungen in Baden-Württemberg hätten gezeigt, dass dadurch das Vertrauen zwischen Verwaltung und Bürgerschaft wachse und durch den Sachverstand der Betroffenen bessere Lösungen entstünden.

Jutta Lang, Generalsekretärin der Führungsakademie, hob in ihrem Grußwort zur Übergabe der Teilnahmezertifikate die Bedeutung von Transparenz und Fehlerkultur in der öffentlichen Verwaltung hervor. Nur wenn über Fehler offen gesprochen werden könne, ließen sich Maßnahmen zur Verbesserung einleiten.

„Wir haben nicht nur von den Vorträgen und Gesprächen sehr profitiert“, schilderte eine Teilnehmerin ihre Eindrücke. „Wichtig ist auch die Dynamik, die in unserer Gruppe durch die Workshops entstanden ist.“ Für Elke Wallenwein, Projektleiterin an der Führungsakademie, ein hoffnungsvolles Zeichen für das vertrauensvolle Zusammenwirken von Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Tunesien.